Was ist Schematherapie?

Die Schematherapie stellt eine interessante und innovative Weiterentwicklung der Kognitiven Verhaltenstherapie dar. Sie wurde Mitte der achtziger Jahre von Jeffrey Young für Patienten mit Achse II Störungen konzipiert, die auf herkömmliche kognitive Verhaltenstherapie nicht respondierten.

Hierbei bediente er sich einer Reihe von Techniken und Konzeptionen aus einem breiten Spektrum psychotherapeutischer Ansätze und ordnete sie in ein einendes Grundgerüst, womit die spezifischen Stärken der jeweiligen Verfahren im Sinne eines Synergieeffektes intensiviert werden. Das lässt das Verfahren zu einem ausgesprochen integrativen Ansatz werden. Neben den herkömmlichen Methoden der KVT enthält der Ansatz erlebnisorientierte, imaginative und der Gestalttherapie entlehnte Techniken.

Als zentraler Baustein im Veränderungsprozess wird hierbei die therapeutische Beziehung verstanden, auf deren Boden der Patient mit Erfahrungen in Kontakt kommen soll, die während seines Aufwachsens fehlten. In den Grenzen therapeutischen Handelns soll der Therapeut eine Haltung einnehmen, die der eines fürsorglichen Elternteiles entspricht („limited reparenting"), um die bei Menschen mit schweren Persönlichkeitsstörungen häufig nicht gestillten Grundbedürfnisse wie sichere Bindung, Akzeptanz, Schutz und Autonomie zu erfüllen - in anderen Worten ist die Vorgehensweise bedürfnisbasiert.

Schematherapeutische Kernkonstrukte

Die vier Kernkonstrukte des Ansatzes sind

  • die Konzepte des frühkindlichen maladaptiven Schemas (FMS),
  • der Schemadomänen,
  • Kompensationsstrategien
  • und der Schema-Modi.

Erstere werden begriffen als ein während des Aufwachsens durch Verletzung kindlicher Grundbedürfnisse entwickeltes dauerhaft bestehendes starres Erlebensmuster aus Gefühlen, Gedanken und Erinnerungen, das ein hohes Maß an Dysfunktionalität aufweist und den Patienten an einer glücklichen Lebensgestaltung hindert. Häufig vorkommende FMS sind zum Beispiel „Verlassenheit", „unerbittliche Standards" oder „emotionale Vernachlässigung".

Die 18 beschriebenen Schemata werden in fünf Schemadomänen aufgeteilt, denen das jeweils verletzte Grundbedürfnis zugrunde liegt. Das Konzept der Kompensationsstrategien bezieht sich auf die Art und Weise, wie sich ein Kind an die dysfunktionalen Umgebungsbedingungen anpasst, um keinen weiteren Schaden zu nehmen. Einige „ergeben sich" ihrem Schema („freeze"), andere kämpfen dagegen an („fight"), während wieder andere den Weg der Vermeidung wählen („flight")

Mit Modi sind aktuell vorherrschende emotionale Zustände, die allen Menschen bekannt sind und die „im Paket" Schemata und Bewältigungsmechanismen umfassen, gemeint. Schemamodi werden von Situationen getriggert, auf die Menschen aufgrund biographischer Bedingungen mit erhöhter Sensitivität ansprechen.

Den Anstoß für die Elaboration des Moduskonzepts gab die Tatsache, dass Dr. Young sich zunehmend auf die Behandlung von Patienten mit Borderlinepersönlichkeitsstörungen konzentrierte, deren rasche Stimmungswechsel die Therapie häufig erschweren. Für sie werden z.B. fünf übliche Modi postuliert: das verletzliche Kind, das ärgerliche Kind, der distanzierte Beschützer, der Modus des strafenden Elternteils und der gesunde Erwachsenen Modus. Die Struktur der Stunde wird dem vorherrschenden Modus angepasst, für jeden Modus wurden spezielle Interventionstechniken erarbeitet und empfohlen, die das Verständnis und die Zusammenarbeit erleichtern.

Für welche Patienten ist Schematherapie indiziert?

Die Behandlung ist für Patienten gedacht, die in ihrem Persönlichkeitsprofil Schemata oder Muster aufweisen, die sich bis in die Kindheit zurückverfolgen lassen und die aktuell weiterhin starken Einfluss auf ihre Gedanken, Gefühle, Lebensentscheidungen und Beziehungen ausüben.
Die Therapie wird demzufolge für Menschen mit Persönlichkeitsstörungen (insbesondere für Patienten mit Borderline-, oder narzisstischen Persönlichkeitsstörungen) (Young 2006) empfohlen.

In den Niederlanden wird aktuell eine Adaptation des Ansatzes in forensischen Kliniken entwickelt, um für persönlichkeitsgestörte (in der Regel antisoziale, narzisstische oder borderlinepersönlichkeitsgestörte) Straftäter ein Modell zu konzeptualisieren. Zunehmend findet sie auch bei therapierefraktären Achse I Störungen wie z.B. chronischen Angsterkrankungen, Zwangserkrankungen, und Essstörungen Anwendung.

Erste stationäre Verlaufsbeobachtungen bei auf herkömmliche Verhaltenstherapie nicht respondierenden Zwangsstörungen in unserer Klinik sind ermutigend. Auch konzipierte Young einen paartherapeutischen Ansatz für Langzeit-Beziehungsprobleme. Weiterhin liegen Erfahrungen zur Therapie von Patienten mit Opiatabhängigkeit und komorbider Persönlichkeitsstörung vor (Ball und Young, 2000, Ball, 2007).

Als Kontraindikationen werden akute Achse I Störungen, gemäßigter bis schwerer Substanzmittelabusus und psychotische Störungen genannt. Nicht indiziert ist die Therapie auch bei schweren Lebenskrisen, die sich nicht in ein lebenslanges Muster dysfunktionalen Verhaltens einordnen lassen.

Was sind die Ziele der Schematherapie?

  • Die Patienten lernen, Achtsamkeit und Verständnis für ihre jeweiligen Schemata zu entwickeln und die eigenen Schwierigkeiten nicht als persönliches Versagen sondern Ausdruck unerfüllter Kernbedürfnisse zu verstehen.
  • Die Schemata und verletzlichen Modi sollen geschwächt und günstigstenfalls geheilt werden. Hierfür ist die Erfüllung nicht befriedigter Grundbedürfnisse im Rahmen der therapeutischen Beziehung von eminenter Bedeutung.
  • Ärgerliche, impulsive oder überkompensierende Schemata und Modi werden begrenzt und empathisch konfrontiert.
  • Strafende, überkritische oder exzessive Forderungen stellende Modi werden strikt angegangen und bekämpft.
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